Seelsorge und Ordensgemeinschaften

Die spirituelle Geschichte der Wallfahrtskirche Loretto ist tief mit dem Wirken hingebungsvoller Ordensgemeinschaften und Diözesanpriester verbunden. Sie haben das Heiligtum über Jahrhunderte geprägt, die Pilgerströme betreut und wertvolle kulturelle Spuren hinterlassen.

Die Serviten (Diener Mariens): 1644–1787 und 1926–1953

Der Servitenorden (Ordo Servorum Mariae) wurde 1233 in Florenz von sieben Kaufleuten gegründet. Zu ihren Hauptaufgaben zählen die Marienverehrung, das brüderliche Gemeinschaftsleben und die Seelsorge.

Kurz nach der Errichtung der ersten Gnadenkapelle betraute Freiherr von Stotzingen die Serviten ab 1644 mit der Betreuung der Pilger in Loretto. Sie erbauten das erste kleine Kloster und später die große Anlage. Bis zur Aufhebung des Klosters durch Kaiser Joseph II. im Jahr 1787 waren sie die Hüter der „Schwarzen Madonna“. Nach einer langen Unterbrechung kehrte der Orden in den Jahren 1926 bis 1953 noch einmal nach Loretto zurück, um die Seelsorge erneut zu übernehmen.

P. Eberhard Maria Kragl SM (1725-1788) Ein herausragender Vertreter der Serviten in Loretto war P. Eberhard Maria Kragl. Er verfasste das 1763 erschienene Werk „Csetvero-versztni duhovni persztan“ (Vierfacher geistlicher Ring). Dieses Buch gilt heute als Höhepunkt der barocken Literatur in burgenlandkroatischer Sprache und belegt die kulturelle und sprachliche Vielfalt der damaligen Seelsorge und des Burgenlandes heute.

Diözesanseelsorger und die Zeit dazwischen

In der langen Zeitspanne zwischen der Vertreibung der Serviten (1787) und ihrer Rückkehr (1926) sowie in den Jahren von 1953 bis 1964 lag die Betreuung der Wallfahrtskirche in den Händen von Diözesanpriestern. Sie hielten die Pilgertradition auch in schwierigen Zeiten lebendig.

Adolf Mohl (1855–1939) Unter den Weltpriestern ist Pfarrer Adolf Mohl besonders hervorzuheben. Er war nicht nur ein engagierter Seelsorger, sondern auch ein bedeutender Lokalhistoriker. Im Jahr 1894 veröffentlichte er das umfassende Werk „Der Gnadenort Loreto in Ungarn“. Diese Chronik ist bis heute eine der wichtigsten historischen Quellen zur Entstehungsgeschichte der Wallfahrtsstätte.

Die Oblaten der Jungfrau Maria (seit 1964)

Seit dem Jahr 1964 ist die Kongregation der Oblaten der Jungfrau Maria (Oblati di Maria Vergine, OMV) mit der Pfarre und dem Heiligtum betraut.

Dieser Orden wurde 1816 vom ehrwürdigen Diener Gottes Pio Bruno Lanteri in Norditalien gegründet. Die spirituellen Schwerpunkte der Oblaten liegen in der Verkündigung der Barmherzigkeit Gottes und ihrer konkreten Erfahrbarkeit im Sakrament der Versöhnung (Beichte), der Anleitung zu geistlichen Exerzitien (nach Ignatius von Loyola), der Verbreitung guter Schriften und der tiefen Marienverehrung.

Unter der Führung der Oblaten erlebte Loretto einen neuerlichen Aufschwung, der 1997 in der Erhebung zur „Basilica minor“ gipfelte. Bis heute widmen sie sich dem aufwendigen „Jahrhundertprojekt“ der Restaurierung der großen Kloster- und Kirchenanlage mit viel Engagement.

Pio Bruno Lanteri (1759–1830) Der Gründer der Oblaten hinterließ ein reiches geistliches Erbe. Eine Kernbotschaft in Lanteris Schriften lautet „Nunc coepi“ (Jetzt beginne ich neu). Er lehrte, dass man niemals den Mut verlieren dürfe, selbst wenn man täglich fiele, da Gottes Barmherzigkeit im Sakrament der Versöhnung unendlich sei. Dieser unerschütterliche Zuspruch der göttlichen Gnade und des ständigen Neubeginns prägt die Seelsorge der Oblaten auch in Loretto bis heute.
← Zurück zur Startseite